Ab Frühjahr 2004 sollen 10 Mio. Haushalte in großen Teilen Deutschlands 120 Programme empfangen können. Für den Herbst werden weitere 30-40 Kanäle angekündigt.
Erst am vergangenen Dienstag hatte die nordrhein-westfälische Kabelfirma ish ihre neuen Digitalpakete mit insgesamt 56 TV-Programmen vorgestellt
(TVmatrix-Meldung vom 18.11.). Nun zieht Deutschlands größter Netzbetreiber nach und konkretisiert seine Digitalisierungspläne - auch hierüber hatte TVmatrix schon berichtet
(Meldung vom 9.11.). Gleich 120 Programme will Kabel Deutschland ab Frühjahr 2004 digital anbieten. "Alle zehn Millionen Haushalte, die bei uns angeschlossen sind, werden dieses Angebot wahrnehmen können", sagte Roland Steindorf, Sprecher der Geschäftsführung, in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt". Kabel Deutschland versorgt 13 der 16 deutschen Bundesländer (alle außer NRW, Hessen und Baden-Württemberg).
Die neuen Programme sollen zunächst sieben Euro pro Monat kosten - zusätzlich zur üblichen Kabelgebühr. Dafür sollen nach Angaben der "Welt" erstmals auch all jene Sender digital eingespeist werden, die es bislang nur analog gab, z.B. die großen Privatsender RTL, SAT.1 und ProSieben. Damit könnten die Zuschauer künftig im Prinzip auf analoge Empfangsteile verzichten und müssten seltener mit zwei verschiedenen Fernbedienungen (für Fernsehgerät und Digitalreceiver) hantieren.
Weiterhin sollen laut Steindorf diejenigen Programmanbieter die Digitalplattform nutzen können, die bisher unter der chronischen Kanalknappheit des analogen Netzes leiden. Das wären z.B. Reise- und Shoppingkanäle. Außerdem will Kabel Deutschland auch mit Premiere kooperieren und das Basisangebot "Premiere Start" zu einem Sonderpreis vermarkten.
Im Herbst 2004 sollen dann noch einmal 30 bis 40 weitere digitale Kanäle hinzukommen - darunter könnten dann Kinder- und Dokuprogramme sein. Auch Spielfilme und Erotikfilme im Pay-per-View-Verfahren sind geplant; die "Welt" spricht sogar von "Hardcore-Pornos" und zitiert Roland Steindorf mit der Aussage: "Warum sollen wir den Zuschauer davon abhalten, wenn die Nachfrage da ist?"
Für das digitale Komplettpaket sollen dann zehn bis zwölf Euro pro Monat berechnet werden. Dazu kommen die Kosten für einen Digitalreceiver (Set-Top-Box), den sich die Kunden - anders als bei ish in NRW - selbst im Handel kaufen sollen.
Hintergrund für die neuen umfangreichen Digitalangebote der Kabelnetzbetreiber ist wohl auch die drohende Konkurrenz durch das digitale Antennenfernsehen DVB-T, mit dem im Großraum Berlin schon 28 Programme ohne laufende Kosten empfangbar sind. Im kommenden Jahr soll DVB-T dann auch in den Ballungsräumen von Nord- und Westdeutschland starten. Mit ihren bisherigen 30 bis 36 analogen Programmen könnten die Kabelfirmen da angesichts ihrer hohen Gebühren schnell viele Kunden verlieren, also müssen sie den Zuschauern neue Argumente dafür liefern, den Kabelanschluss nicht zu kündigen. Insofern überrascht es nicht, dass Steinbach die Konkurrenz durch DVB-T im "Welt"-Interview "sehr ernst" nimmt.
Quelle: Die Welt