Am Freitag hatte der Elektronikkonzern Philips angekündigt, er wolle zusammen mit der FIFA und deren TV-Vermarktungspartner Infront die Übertragrungen von der Fußball-WM 2006 ausschließlich im Breitbildformat produzieren
(TVmatrix-Artikel vom 5.12.). Diese Meldung sorgte für einige Aufregung, denn für Besitzer von herkömmlichen Fernsehgeräten mit dem Bildformat 4:3 würde diese Neuerung bedeuten, dass am oberen und unteren Bildrand schwarze Balken zu sehen sind. Die "Bild"-Zeitung hatte am Samstag in ihrer bekannt drastischen Sprache sogar von einem "TV-Schock" gesprochen.
Im Schwesterblatt "Bild am Sonntag" wandten sich nun die Chefs der öffentlich-rechtlichen Sender, die noch mit Infront über die WM-Rechte verhandeln, gegen eine zwangsweise Verwendung des 16:9-Formats. Der NDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Jobst Plog sagte: "Wir erfahren davon zum ersten Mal. In den bisherigen Verhandlungen hat dieser Punkt keine Rolle gespielt. Sollte die FIFA tatsächlich auf diesem Format bestehen, wäre das für viele Zuschauer eine Beeinträchtigung. Was wir tun können, damit es nicht dazu kommt, werden wir tun."
Ähnlich äußert sich ZDF-Intendant Markus Schächter. Er will möglichst sogar den Zuschauern die Wahl des Bildformats überlassen: "Wenn wir die Rechte bekommen, ist es unser klares Ziel, beide Formate anbieten zu können. Wenn technisch nur eins möglich ist, werden wir das wählen, das für unsere Zuschauer am verbreitetsten ist". Damit würde die Entscheidung wohl zugunsten des 4:3-Formats fallen, denn nach Informationen der "BamS" besitzen bisher nur 10% der deutschen Fernsehhaushalte ein Breitbildgerät.
Auch Infront-Geschäftsführer Dominik Schmid schließt nicht aus, dass die WM im gewohnten Format übertragen wird: "Die WM wird zwar im Bildformat 16:9 produziert. Aber es gibt die Möglichkeit, die Bilder im normalen Format 4:3 zu zeigen. Es hängt vom übertragenden Sender ab, welches Format er wählt. Ich gehe avon aus, dass in Deutschland nicht 16:9 gewählt wird, weil sich das Breitformat hier nur schleppend durchsetzt."
Denkbar wäre, wie vom ZDF-Intendanten angedeutet, auch eine Kompromisslösung: 4:3-Übertragung im Hauptprogramm, 16:9 auf digitalen Zusatzkanälen. Eine endgültige Entscheidung darüber kann allerdings erst fallen, wenn geklärt ist, welche Sender die Übertragungsrechte bekommen. ARD und ZDF haben zwar ein Vorkaufsrecht, doch das umfasst nicht automatisch alle Spiele. Bei der WM 2002 waren weniger als die Hälfte der Begegnungen im Free-TV gezeigt worden, der Rest lief exklusiv bei Premiere.
Für die WM 2006 im eigenen Lande dürfte es jedoch einen größeren Druck der deutschen Öffentlickeit zugunsten einer vollständigen Übertragung im Free-TV geben. Auch eine Aufteilung der Spiele zwischen ARD, ZDF, RTL und SAT.1 war schon ins Gespräch gebracht worden.
Quelle: Bild am Sonntag, TVmatrix-Recherche